Was ist finanzielle Reichweite – und warum messe ich sie?
Die meisten Finanzblogs feiern ihr Nettovermögen. Mir sagt diese Zahl wenig. Was mich wirklich interessiert: Wie lange bin ich frei, wenn morgen alle Einnahmen wegbrechen?
Genau das misst die finanzielle Reichweite. Ich teile mein Vermögen durch meine monatlichen Muss-Kosten – also das, was ich jeden Monat wirklich decken muss: Lebenshaltung, Versicherungen, laufende Verpflichtungen. Aktuell sind das 2.403,98 € pro Monat.
Wichtig dabei: Muss-Kosten sind nicht dasselbe wie meine Fixkosten. Tatsächlich gebe ich jeden Monat mehr aus – Reisen, Restaurantbesuche, spontane Ausflüge gehören zu meinem Leben dazu. Aber all das könnte ich im Ernstfall sofort streichen. Die Muss-Kosten sind nur das, was ich wirklich zahlen muss, egal was passiert. Deshalb rechne ich die Reichweite bewusst mit dieser Zahl: Sie zeigt, wie lange ich im Ernstfall wirklich durchhalten würde.
So sehen meine kompletten Fixkosten aktuell aus:
Die Rücklagen sind Sparen, kein Zwang – die könnte ich jederzeit pausieren, genau wie das Ausgehen und die Reisen in der Lebenshaltung. Die Investment-Rate dagegen ist Pflicht: Das ist die Rate für meine Immobilienkredite. Was im Ernstfall wirklich bezahlt werden muss, sind unterm Strich die 2.403,98 € Muss-Kosten.
Darin steckt auch eine Rate von 700 € für alte Schulden aus meiner früheren Wohnung (Reststand: 2.853,49 €). Die ist der Grund, warum ich beim Investieren zwei Jahre pausieren musste – und sie ist gleichzeitig mein größter Hebel, dazu unten mehr.
Mein Ziel: 60 Monate Reichweite bis 2030. Fünf volle Jahre, in denen ich leben, arbeiten und reisen kann, ohne dass mir irgendjemand reinreden darf. Das ist für mich echte Freiheit – nicht eine abstrakte Zahl auf dem Konto.
Und die 60 Monate sind nur der Zwischenschritt. Das große Ziel dahinter: 20 Jahre Reichweite bis 2040 – was das in Monaten und Euro heißt, rechne ich dir weiter unten vor.
Mein Vermögen im Detail (ohne Immobilien)
Das steckt hinter den 46.986,83 € – aufgeschlüsselt nach Anlageklassen, Stand August 2026:
Der größte Block sind meine sechs ETFs – welche das sind und warum, zeige ich mit allen Zahlen in meinem Depot-Einblick. Die P2P-Position ist mein Notgroschen-Baustein bei Bondora Go & Grow.
Die DFK Anleihe verzinst sich mit 5 % – und dieses Geld ist fest verplant: In vier Jahren steht die Kredit-Neuverhandlung für meine Immobilien an, und dafür will ich Eigenkapital auf dem Tisch haben.
Und die Immobilien?
Ich besitze zwei Immobilien im Wert von rund 188.000 €. In die Reichweite zähle ich sie trotzdem nicht – aus zwei Gründen: Die Kredite laufen noch und der Cashflow ist aktuell negativ, sie kosten mich also jeden Monat Geld, statt welches zu bringen. Und kurzfristig zu Geld machen kann ich sie auch nicht.
Deshalb stehen sie hier nur der Vollständigkeit halber. Sobald die Kredite neu verhandelt sind und der Cashflow dreht, bekommen sie ihren Platz in dieser Rechnung – auch das wirst du dann im Update-Log lesen.
Wo mein Geld konkret liegt
Falls du dir einen ähnlichen Aufbau bauen willst: Das sind die Anbieter, bei denen mein Geld tatsächlich liegt – keine Empfehlungs-Liste aus dem Katalog, sondern meine echten Konten:
Die Kreisfarben entsprechen den Anlageklassen aus der Grafik oben. Das Depot läuft seit Jahren bei comdirect – ich hatte nie einen Grund zu wechseln. Die Rücklagen liegen getrennt vom Girokonto auf dem Tagesgeldkonto: Im Alltag komme ich nicht dran, im Notfall sofort.
Bei P2P ist Bondora der mit Abstand größte Teil – 2025 mit 2.500 € gestartet, seitdem läuft es einfach mit. Mintos und PeerBerry sind Reste aus meiner aktiveren P2P-Zeit. Neues Geld fließt vor allem in die ETFs – P2P bleibt eine bewusst kleine Beimischung.
Die zwei Hebel zu 60 Monaten
Hebel 1: Vermögen aufbauen. Ende 2026 starte ich wieder richtig mit dem Investieren – mit monatlicher Sparrate in meine ETFs. Bei meinen heutigen Muss-Kosten bräuchte ich für 60 Monate rund 144.000 €. Das ist ambitioniert, und genau deshalb steht es hier öffentlich.
Hebel 2: Muss-Kosten senken. Von den alten Wohnungs-Schulden sind noch 2.853,49 € offen – bei 700 € Rate pro Monat bin ich voraussichtlich Anfang 2027 durch. Dann fallen die 700 € aus den Muss-Kosten weg, sie sinken auf gut 1.700 € – und die Reichweite springt rechnerisch von 19,5 auf etwa 27,6 Monate, ohne dass ich einen einzigen Euro mehr auf der Seite habe. Schuldenfreiheit ist damit mein wichtigstes Zwischenziel.
1.400 € seit Juni getilgt · 700-€-Rate pro Monat · voraussichtlich Anfang 2027 schuldenfrei
Dieser Balken läuft dem Reichweiten-Balken oben entgegen: Er soll schrumpfen, während der andere wächst. Beide bekommen bei jedem Update neue Zahlen.
Beide Hebel zusammen heißt: Jeder getilgte Euro und jeder investierte Euro schieben denselben Zähler. Wie ich langfristig daraus laufendes Einkommen machen will, liest du in meinem Plan vom Leben von Dividenden.
Das große Ziel: 20 Jahre Reichweite bis 2040
Rechnen wir es aus: 20 Jahre sind 240 Monate. Bei meinen heutigen Muss-Kosten von 2.403,98 € bräuchte ich dafür rund 577.000 €. Ohne die 700-€-Schulden-Rate – und schuldenfrei bin ich bis dahin lange – reichen etwa 409.000 €.
Klingt nach einer absurden Zahl, wenn man bei 19,5 Monaten steht? Ja. Aber zwischen heute und 2040 liegen 14 Jahre – und über so einen Zeitraum arbeitet der Zinseszins spürbar mit. Das ist keine Garantie, sondern ein Ziel. Ob es aufgeht, siehst du hier – Monat für Monat, Balken für Balken.
Warum ich das öffentlich mache
Weil öffentliche Ziele anders wirken als private. Wenn du weißt, dass Leser diese Seite aufrufen und nachschauen, ob der Balken sich bewegt hat, überlegst du dir zweimal, ob du die Sparrate ausfallen lässt.
Und weil ich auf diesem Blog nur über Dinge schreibe, die ich selbst mache. Dazu gehört auch, dass du hier echte Zahlen siehst – auch dann, wenn ein Update mal nach unten geht. Börsenjahre wie 2022 kommen wieder, und dann wird dieser Balken eben kürzer. Auch das werde ich dokumentieren.
Update-Log
Jede Änderung an dieser Seite landet hier – mit Datum und den nackten Zahlen:
- 11. August 202619,5 Monate (+0,1). Wieder eine 700-€-Rate getilgt – die Schulden schrumpfen planmäßig weiter. Das ETF-Depot hat sich um rund 100 € erholt, die Rücklagen sind um 200 € gewachsen. Vermögen ohne Immobilien: 46.986,83 €. Restschuld: 2.853,49 €.
- Juli 202619,4 Monate (+0,1). Eine weitere 700-€-Rate ist raus. Dazu ein kleines Plus im ETF-Depot (~100 €) und 200 € mehr in den Rücklagen. Vermögen: 46.686,83 €. Restschuld: 3.553,49 €. Langsam, aber die Richtung stimmt.
- Juni 2026Startpunkt: 19,3 Monate. Beginn der öffentlichen Dokumentation – mit 46.386,83 € Vermögen ohne Immobilien und 2.403,98 € Muss-Kosten pro Monat. Die Schulden aus meiner alten Wohnung sind hier noch 1.400 € höher als heute, die 700-€-Rate läuft Monat für Monat. Restschuld: 4.253,49 €.